Gespräch mit Ron von Inklusion muss laut sein

Hallo Ron, vielen Dank das du dir die Zeit für uns nimmst.

1) Stell dich doch bitte kurz vor!

Moin – ich bin Ron, der Gründer von Inklusion Muss Laut Sein. Inklusion Muss Laut Sein ist eine gemeinnützige Organisation, die sich um Barrierefreiheit von Events kümmert und für Fans mit einer Behinderung kostenfreie Begleitpersonen stellt.
Angefangen habe ich vor 12 Jahren mit dem ersten Metal Magazin zum Thema Punk, Metal & Behinderung. Viele Veranstalter und Veranstalterinnen hatten sich damals keine Gedanken über die Zugänglichkeit ihrer Clubs und Festivals gemacht.

2) Was bedeutet „Inklusion“ genau?

Inklusion ist ein Wort aus der Soziologie und bedeutet soviel, dass alle Menschen die gleichen Chancen in der Gesellschaft erhalten. Behindertenverbände bemühen hier gerne das Bildnis des an den Rand der Gesellschaft gedrängten Behinderten. Dieses ist aber im Grunde falsch. Jeder ist in irgendeiner Form Teil der Gesellschaft. Es gibt hier keine Randlage, denn es ist kein fester Raum oder ein eine geschlossene mit Grenzen versehene Einheit. Eine Gesellschaft ist ständig in Bewegung und auch ihre Mitglieder, haben keinen festen oder zugewiesenen Platz.
Inklusion ist ein Konstrukt, welches impliziert, das man mit ein wenig Mühe, ein festes Ziel erreichen könnte. Ich persönlich gehe davon aus, dass es uns gesellschaftlich an gleichen Rechten, Chancen und Pflichten mangelt. Eine soziale und paritätische Gemeinschaft lebt von der Vielfältigkeit ihrer Mitglieder, daher brauchen wir ein Umdenken hin zu einer chancengleichen Welt für alle.

3) Was war der Beweggrund „Inklusion muss laut sein“ ins Leben zu rufen und wie lange gibt es euch schon?

Auch wenn es vielleicht ein wenig langweilig klingt und nicht nach dem großen sozialen Knaller.Der Beweggrund war anfänglich purer Eigennutz. Ich wollte 2008 ein Konzert meiner Lieblingsband besuchen und es gab im Internet keine Informationen für Fans mit einer Behinderung. Ich selber habe durch meine Einschränkung ganz spezielle Bedürfnisse, die abgedeckt sein müssen.
Das war die Geburtsstunde von „New-Metal-Media“. Bis 2015 liefen das Magazin und die Beratungen ganz gut und waren ehrenamtlich abzudecken. Mit der Bewerbung bei „startsocial“ und der Gründung des BUDDIE-Netzwerkes (so nennen wir die ehrenamtlichen Begleitungen) nahm das Ganze an Dynamik zu. Heute ist es in „normalen“ Jahren so, dass wir ca 1200 Begleitungen und ebenso viele Beratungen tätigen. Dazu kommen viel Herzensprojekte, sowie die Begleitung von Fans, die ein letztes Mal auf ein Festival oder Konzert möchten. Besonders die Begleitung von Menschen, die sterben werden gehen mir jedes Mal sehr nahe. Aber es gibt auch die schönen Geschichten, so haben sich BUDDIES, die sich wohl ohne das Ehrenamt nicht kennengelernt hätten, in einander verliebt und sind ein Pärchen geworden.

4) Was ist ein „Buddie“ und wie kann man „Buddie“ werden?

Du kannst ein BUDDIE sein, Ich kann ein BUDDIE sein, jeder Nutzer, jede Nutzerin kann ein BUDDIE sein. BUDDIES sind sowas wie Kumpels, aber es ist auch eine innere Haltung. Wir sind alle eine Gemeinschaft von Menschen, jeder und jede ist ein wenig anders, aber unsere Leidenschaft für die eigenen Hobbys verbindet uns.
Wenn du ein BUDDIE sein möchtest dann schau dich bei uns auf der Seite um https://www.i-m-l-s.com/index.php/buddie-werden/ dein neues Ehrenamt wird sich immer an deine Wünsche anpassen und du wirst ein Teil von etwas ganz tollem. Ob du eine Begleitung im Jahr machst oder alle 2 Tage eine, du wirst bei uns immer ein BUDDIE sein.

5) Wie können wir uns einen Tag mit euch vorstellen?

Das Schöne ist, es gibt nicht den Standarttag. Du musst dir vorstellen, dass jede Begleitung anders und besonders ist. Es kommen Begleitungen zur SM Messe genau so vor, wie auch Museumsbesuche. Wir rocken Clubs und Festivals und reisen um die Welt.
Es ist das Eis essen oder der Besuch eines Fußballspiels. Das Treffen mit einer Band oder, oder, oder der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Als BUDDIE bist du jemand der seine Hobbys einbringt und somit viel Spaß hat. Wir sind bei Begleitungen vollkommen gleichberechtigt und so wird aus 2 Fremden ein BUDDIE-Team.

6) Was war dein schönstes und bewegendes Erlebnis bei „Inklusion muss laut sein“?

Ich kann bei den vielen Begleitungen und Menschen nicht das schönste oder bewegendste Erlebnis auswählen. Ich bekomme bei jedem Event Fotos, Videos, es wird schon Mal um 3 Uhr nachts angerufen und ins Telefon gesungen, das ist unvergesslich und zeigt welcher Sinn
hinter Inklusion Muss Laut Sein steckt. Bewegend ist es immer Abschied zu nehmen, von BUDDIES (einem Teil eines BUDDIE-Teams) welche nach ihrem Erlebnis an ihrer Krankheit versterben. Viele Gespräche die im Vorfeld liefen und Momente nach einer Begleitung begleiten mich noch Jahre danach. Manchmal haben scheinbare Kleinigkeiten im Nachhinein eine große Wirkung. So haben einige BUDDIES Heike begleitet, mit ihr habe ich immer sehr viel telefoniert und gelacht. Das sie unheilbar krank war wusste ich nicht, nur das sie ein lebensfroher und unternehmungslustiger Mensch war. Sie ist dann vor etwa 1 1/2 Jahren verstorben. In einigen Begleitanfragen verweisen die Leute auf sie und wie gut es ihr gefallen hat und wie toll sie Inklusion Muss Laut Sein fand. Sie hat in höchsten Tönen von ihren BUDDIES geschwärmt. Das ist dann der Moment, wo ich ein Lächeln im Gesicht habe und an unsere ersten Gespräche denken musste.

7) Was wünscht du dir von der Gesellschaft bezogen auf „Inklusion“?

Ich wünsche mir, dass es keine Kunstwörter wie Inklusion braucht, sondern die Gesellschaft sich als das sieht, was sie ist – eine Ansammlung von verschiedensten Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und persönlichen Hintergründen. Ich wünsche mir mehr Barrierefreiheit, denn auch diese kommt allen zu Gute ob nun im Rolli oder mit dem Kinderwagen – Stufen sind Mist.
Ich wünsche mit mehr Zusammenhalt auf dieser Welt und die bunten Vögel dazwischen, die es braucht um das grau einer Gesellschaft aufzubrechen. Also geben wir alles, damit wir gemeinsam Inklusion abschaffen und zu einer Normalität für alle kommen.

8) Wie kann man euch unterstützen?

Du kannst wie oben BUDDIE werden und so einen Teil deiner Zeit verschenken oder natürlich ganz klassisch spenden. Du findest auf www.i-m-l-s.com eine PayPal Button, damit geht es ganz schnell. Anosnsten gibt es eine Spendenseite bei uns Als Veranstalter kannst du Tickets für Menschen geben, die es finanziell nicht so dicke haben oder du bringst ein wenig Know How ein. Es ist vieles möglich und jede Kleinigkeit hilft.
Wir waren 2 mal auf dem Zug der Liebe mit einem Wagen vertreten, hatten dort aber auch ein paar Begleitungen.