Kein Platz für Hass! Warum wir klare Kante zeigen.

Dieses Jahr ist ein Kollektiv aus Köln dabei. KEIN HASS NUR BASS. Als wir die Kollektivvorstellung posteten, gab es auf einmal eine Schwemme an miesen kleinen Kommentaren. Eigentlich ungewöhnlich. Aber die LGBTQ Fahne im Logo triggerte diese ganz bestimmte Kategorie an Typen.

Besonders häufig begegnet einem der Karl-Heinz, meist mit beginnender Glatze und Schnäuzer. Sein Profilbild zeigt ihn in martialischer Pose, wahlweise am Steuer seines Autos, auf dem Motorrad oder mit verschränkten Armen vor der Gartenlaube. Auf der Pinnwand finden sich unzählige Sinnsprüche, oft in pseudo-kalligrafischer Schrift auf Sonnenuntergängen oder Wolfsrudeln. Botschaften wie „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“ wechseln sich mit Memes gegen „die da oben“ ab.

Neben Karl-Heinz gibt es die Gabi, deren Profilbild meist von Engeln, Rosen oder Katzen geprägt ist. Ihre Pinnwand ist voll mit geteilten Sprüchen über Heimat, Familie und „gesunden Menschenverstand“. Auch sie greift regelmäßig zu Kettenkommentaren wie „Lügenpresse!!!“.

Dann gibt es Dirk, der sich gerne mit Harley, Hund oder Deutschlandflagge inszeniert. Sein Titelbild zeigt einen Adler, dazu findet man viele Posts über Freiheit, Meinungsdiktatur und die angeblich verlorene Männlichkeit.

Allen gemeinsam ist der Kommunikationsstil: viel Capslock, viele Ausrufezeichen, viele Wut-Reaktionen. Sie betonen, einfache Leute zu sein, und gleichzeitig wirken ihre Profile erstaunlich gleichförmig. Autos, Hunde, Schnäuzer, Engelchen-Gifs, Sprüchebilder und Deutschlandflaggen bilden den visuellen Kanon dieser digitalen Parallelwelt.

Und manchmal schreiben sie auch, dass ein Genickschuss eine gute Lösung wäre. All das weil wir laut, bunt und solidarisch sind. Aber auch klarmachen : Wer Hass verbreitet, wer Menschen ausgrenzt oder antisemitische Parolen auf unsere Straße tragen will, hat bei uns keinen Platz.

2024 haben wir unser Leitbild noch einmal geschärft. Nationalflaggen, antiisraelische Banner oder verschwörungsideologische Symbole waren ausdrücklich untersagt. Wer diese Regeln missachtete, wurde konsequent ausgeschlossen. Das war keine einfache Entscheidung, denn Ausschluss wirkt immer hart. Aber es ist notwendig, wenn wir verhindern wollen, dass Rechtspopulismus und Hetze unsere Räume kapern.

Wir wissen: Demonstrationen sind verletzlich. Es braucht nur wenige, die laut genug schreien, um die Botschaft einer ganzen Bewegung zu verzerren. 2021 mussten wir das selbst erleben: Was als Zeichen für Zusammenhalt gedacht war, wurde von außen gestört. Coronaleugner und Reichsbürger attackierten unsere Demo, nach vier Stunden mussten wir abbrechen. Eine bittere Entscheidung und doch ein Moment, der uns stärker gemacht hat. Denn der Zusammenhalt blieb bestehen, online, im Netzwerk und in der Szene.

Darum gilt für uns: Haltung ist nicht verhandelbar. Antisemitismus ist keine Meinung. Rassismus ist kein „Missverständnis“. Verschwörungsideologien sind kein bunter Rand, sondern ein Einfallstor für Hass.

Auf unseren Trucks stehen Vereine, Initiativen und Kollektive, die sich jeden Tag für Vielfalt, Mitgefühl und Solidarität einsetzen. Wir schaffen Sichtbarkeit für Menschen, die oft unsichtbar bleiben. Gerade deshalb müssen wir unsere Linie verteidigen. Ein „Zug der Liebe“ ohne klare Grenzen wäre nur eine laute Party. Mit Haltung aber wird er zu einem politischen Signal: Berlin bleibt offen.

Diese Klarheit kostet Mut und auch Ressourcen. Awareness-Teams müssen geschult werden, Ordner:innen brauchen Strukturen und die Technik muss so organisiert sein, dass wir eingreifen können. Dafür brauchen wir Unterstützung.

Wenn du willst, dass der Zug auch in Zukunft Haltung zeigt, dann hilf uns, diese Arbeit möglich zu machen.

 

Diesen Beitrag teilen