Wagenmacher Regeln

Der Zug der Liebe ist keine reine Straßenparty, sondern eine angemeldete Demonstration. Damit unterscheiden wir uns grundlegend beispielsweise vom Karneval der Kulturen. Dieser Status schützt uns als Versammlung rechtlich besser, bringt aber gleichzeitig klare Pflichten gegenüber Polizei, Behörden und allen Teilnehmenden mit sich.

Wir gehen gemeinsam für die Missionen der teilnehmenden Schirmherrenvereine auf die Straße. Das übergeordnete Hauptthema bzw. Motto für die Demonstration legt der Zug der Liebe e.V. fest.

Mit eurer Teilnahme erkennt ihr diese Regeln verbindlich an. Als Wagenmacher seid ihr für deren Einhaltung auf eurem LKW verantwortlich. Ein Ausschluss bei Verstößen erfolgt ohne Anspruch auf Entschädigung oder Regress.

1. Ordner und Wagenverantwortung

  • Mindestbesetzung: Jedes Fahrzeug stellt mindestens 8 Ordner (3 hinter dem Fahrzeug, 2 pro Achse, 1 vor dem Fahrzeug). Wir empfehlen dringend mehr Personal, um reibungslose Abläufe und Pausen zu ermöglichen.

  • Wagenverantwortung: Jedes Kollektiv benennt eine feste Ansprechperson für die Demoleitung. Ihr erhaltet von uns ein Funkgerät mit Headset, das während der gesamten Demo getragen werden muss.

  • Erkennbarkeit: Alle Ordner tragen gut sichtbar eine weiße Armbinde mit schwarzer Aufschrift „Ordner“ (diese wird als Sammelbestellung organisiert).

  • Wichtig: Alkohol und Ordnerdienste schließen sich strikt aus.

2. Fahrzeuge

  • Die zulässige Gesamtmasse der LKWs ist auf max. 12,5 t beschränkt.

  • Standardmäßig gehen wir von Planen-LKWs aus; andere Fahrzeugtypen müssen im Vorfeld abgestimmt werden.

3. Beschallung und Technik

  • Die zulässige Lautstärke wird beim Kooperationsgespräch mit der Polizei final festgelegt und rechtzeitig mitgeteilt.

  • Lautsprecher müssen – abgesehen vom Monitoring – nach hinten abstrahlen.

  • Jeder Wagen benötigt ein funktionstüchtiges Mikrofon, das dem Sicherheitspersonal für Durchsagen über die PA jederzeit zur Verfügung steht.

4. Personal auf dem Wagen

  • Auf dem Wagen dürfen sich maximal 7 Personen Bedienpersonal aufhalten (DJs, Techniker, etc.). Dazu zählen keine Groupies, Freunde oder Familienmitglieder als Dekoration.

  • Tanzen auf dem LKW ist nicht gestattet. Die Demoleitung und das Security-Team sind befugt, unberechtigte Personen zu verweisen.

  • Ordner in Erholungsphasen sowie Personen in medizinischen Notfällen sind hiervon ausgenommen.

5. Sicherheit und Bauweise

  • Wegen der stromführenden Oberleitungen darf die Gesamthöhe inklusive Aufbau 3,80 Meter nicht überschreiten.

  • Der Bereich um den LKW muss durch Seile gegen herabfallende Personen gesichert werden. Wir empfehlen, die Wagenverkleidung 30 cm über dem Boden enden zu lassen.

  • Ladeboardwand (LBW): Kein Personentransport auf der LBW. Die maximale dynamische Traglast ist einzuhalten (Achtung: nicht identisch mit der statischen Traglast). Zum Schutz der Schienbeine ist ein Kantenschutz (z. B. Rohrisolierung) Pflicht; ein Trittschutz zwischen LBW und LKW ist ebenfalls zwingend erforderlich.

6. Verpflegung und Glasverbot

  • Kein kommerzieller Getränkeverkauf von den Wagen. Stattdessen seid ihr angehalten, kostenfreies Wasser und alkoholfreie Getränke auszugeben. Wasser und Obst werden am Vortag über uns zentral organisiert und aufgeteilt.

  • Strenges Glasverbot: Scherben und nackte Sommerfüße sorgen beim Awareness-Team für Frust. Bitte achtet konsequent darauf.

7. Werbe- und Sponsorenverbot

  • Auf der gesamten Demo gilt ein striktes Werbe- und Sponsorenverbot.

  • Erlaubt sind ausschließlich Schilder und Logos der Wagenbetreiber (max. 20 % der dekorierten LKW-Fläche), Banner der kooperierenden Vereine sowie unsere offiziellen Kernbotschaften. Keine kommerzielle Fremdwerbung, keine Promotion-Teams.

  • Jedes Fahrzeug muss vorn ein gut sichtbares Banner des Vereins tragen. Ausnahmen sind ausgeschlossen; Verstöße führen zum direkten Ausschluss.

8. Inhaltliche Gestaltung

  • Das Ziel des Zug der Liebe ist es, die Kernbotschaften unserer Schirmherrenvereine sichtbar in die Öffentlichkeit zu tragen. Mindestens 50 % der Fahrzeugfläche müssen entsprechend gestaltet sein.

  • Der Verein ist euer Schirmherr und unterstützt euch, kann jedoch nicht für die Bereitstellung von eigenem Personal oder Budget haftbar gemacht werden. Die Lieferung passender Banner und Slogans obliegt eurer Absprache.

9. Fahrzeugtechnik

  • Der eingesetzte LKW muss über TÜV, ASU, eine gültige Umweltplakette, funktionstüchtige Bremsen, einen vollen Tank verfügen und darf keinesfalls überladen sein.

10. Haftung und Organisation

  • Als Wagenmacher tragt ihr die volle Verantwortung für euren Wagen und das Geschehen drumherum. Instruiert euer Team entsprechend und setzt auf gesunden Menschenverstand.

  • Die Einsatzleitung der Polizei fordert eine namentliche Liste aller Wagenmacher mit Kontaktdaten im Vorfeld der Veranstaltung.

  • Hinweis zur Versicherung: Wir schließen für die gesamte Demo eine zentrale Veranstalterhaftpflichtversicherung ab (inklusive Equipment, Mietsachschäden an Gebäuden/Sachen, Schlüsselschäden und Umweltschäden).

11. Weisungsbefugnis

  • Um Diskussionen auf der Strecke zu vermeiden gilt: Jens und Martin (Uwe) als Anmelder, die benannte Security-Crew sowie die polizeilichen Kontaktbeamten sind ab Eintreffen am Startpunkt bis zum Ende der Abschlusskundgebung jederzeit weisungsbefugt.

12. Haltung und Abgrenzung (Kein Platz für Diskriminierung)

  • Der Zug der Liebe steht bedingungslos für humanistische, soziale und weltoffene Werte. Prüft euer Team (Ordner, Helfer, DJs, Crew) sorgfältig im Vorfeld.

  • Wir dulden keine extrem rechten Tendenzen, Hooligan-Verbindungen, QAnon-Anhänger, Reichsbürger, Verschwörungsideologen oder Verharmlosungen der Demokratie. Ebenso wenig ist Raum für Rassismus, Antisemitismus, Islamismus, Queerfeindlichkeit oder menschenverachtende Hetze jeglicher Art.

  • Um jegliche politische oder religiöse Vereinnahmung zu verhindern, bleiben politische Parteien und Religionsvertreter als Akteure auf den Wagen ausgeschlossen. Landesflaggen sind ebenfalls verboten.

  • Seit dem 7. Oktober gilt das ganz besonders auch für sogenannte Israelkritiker sowie Unterzeichnerinnen und Unterzeichner von Initiativen wie Artists against Apartheid und Strike Germany. Checkt eure DJs entsprechend ab.

  • Wenn ihr bei Personen ein ungutes Bauchgefühl habt, aber schon zugesagt habt, weil sie vielleicht zum Freundeskreis gehören: Macht ihnen klar, dass wir sie hier nicht dabeihaben möchten. Das ist kein feindseliges Verhalten, sondern reiner Selbstschutz für unseren gemeinsamen Rahmen.

13. Presse und Kommunikation

  • Bei Presseanfragen oder Unsicherheiten könnt ihr jederzeit Jens kontaktieren (+49 163 4368524) oder Anfragen an uns weiterleiten.

  • Als Kollektiv könnt ihr natürlich eigene Statements abgeben, tut dies jedoch im eigenen Namen und nicht offiziell als Zug der Liebe e.V..

14. Transparente und Schilder

  • Jeder Wagen bringt 20 Schilder oder Transparente mit den Themen der Schirmherrenvereine mit, die während der Demo durchgehend am LKW (oder von Wagengästen) sichtbar getragen werden.

15. Auf- und Abbau, Soundchecks

  • Der Aufbaubereich ist am Veranstaltungstag ab den Morgenstunden gesperrt. Verbindliche Zeiten für Soundchecks erfahrt ihr bei den Treffen.

  • Die offiziellen Wagenabnahmen finden in der Regel von 11:00 bis 12:30 Uhr statt. Während offizieller Kundgebungen darf im Auf- und Abbaubereich keine Musik laufen.

16. Rettungswege

  • Passieren Einsatzfahrzeuge (insbesondere RTW/NEF) euren Wagen, ist die Musik sofort auf Zimmerlautstärke herunterzuregeln. Weist eure Crew (insbesondere DJs und Künstler) im Vorfeld ausdrücklich darauf hin.

17. Konsequenzen

  • Verstöße gegen dieses Regelwerk können und werden zum sofortigen Ausschluss von der Demonstration führen.

18. Aktualisierungen

  • Sollten behördliche Auflagen (z. B. der Polizei) kurzfristige Anpassungen erfordern, informieren wir euch zeitnah per E-Mail, beim Wagentreffen oder direkt am Startpunkt. Diese Ergänzungen werden damit automatisch Teil dieses Regelwerks.